{"id":14221,"date":"2015-07-05T11:42:58","date_gmt":"2015-07-05T11:42:58","guid":{"rendered":"http:\/\/bonyadhomayoun.com\/?p=14221"},"modified":"2015-07-07T09:55:16","modified_gmt":"2015-07-07T09:55:16","slug":"14221","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/bonyadhomayoun.com\/?p=14221","title":{"rendered":"Couchsurfing im Iran \/ Interview mit Stephan Orth"},"content":{"rendered":"<p dir=\"ltr\" style=\"text-align: justify;\">\u200c\u200c<\/p>\n<p dir=\"ltr\" style=\"text-align: justify;\"><!--more-->\u200cIch hatte ja haupts\u00e4chlich mit jungen Leuten zu tun. Viele davon waren hoch gebildet, bekommen aber keinen, ihren Qualifikationen angemessenen, Job. Sie k\u00f6nnen sich nicht entfalten, vermissen Freiheiten und w\u00fcrden gern woanders leben. Das ist ein wahnsinnig verschenktes Kapital und man bekommt es t\u00e4glich mit, wie diese Menschen ihre Talente einfach nicht aussch\u00f6pfen k\u00f6nnen. Ich hatte das Gef\u00fchl, dass dieses Land mit seiner jahrtausendealten Hochkultur unter einer liberaleren Regierung noch eine viel bedeutsamere Rolle im Nahen Osten spielen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p dir=\"ltr\" style=\"text-align: justify;\">\u200c<\/p>\n<p dir=\"ltr\" style=\"text-align: justify;\"><a href=\"https:\/\/bonyadhomayoun.com\/?attachment_id=14182\" rel=\"attachment wp-att-14182\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-14182\" alt=\"iranwis1516\" src=\"https:\/\/bonyadhomayoun.com\/wp-content\/uploads\/2015\/06\/iranwis1516.jpg\" width=\"539\" height=\"224\" srcset=\"https:\/\/bonyadhomayoun.com\/wp-content\/uploads\/2015\/06\/iranwis1516.jpg 539w, https:\/\/bonyadhomayoun.com\/wp-content\/uploads\/2015\/06\/iranwis1516-300x124.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 539px) 100vw, 539px\" \/><\/a><\/p>\n<p dir=\"ltr\" style=\"text-align: center;\" align=\"center\"><b>\u201eCouchsurfing im Iran\u201c<\/b><b><\/b><\/p>\n<p dir=\"ltr\" style=\"text-align: center;\" align=\"center\">Interview mit Stephan Orth<\/p>\n<p dir=\"ltr\" style=\"text-align: justify;\">\u200c<\/p>\n<p dir=\"ltr\" style=\"text-align: justify;\">FM: Farkhondeh Modares<\/p>\n<p dir=\"ltr\" style=\"text-align: justify;\">SO: Stephan Orth<\/p>\n<p dir=\"ltr\" style=\"text-align: center;\">\u200c\u200c\u200c<\/p>\n<p dir=\"ltr\" style=\"text-align: justify; padding-left: 60px;\">FM: Herr Orth, Ihr Buch \u201eCouchsurfing im Iran\u201c ist sehr erfolgreich! Eine beachtliche Menge wurde bislang verkauft. Sie haben viele Lesungen gegeben, im Rahmen derer viele Fragen gestellt wurden. Was denken Sie, welchen Eindruck hat ihr Buch bei Ihren deutschen Lesern hinterlassen?<\/p>\n<p dir=\"ltr\" style=\"text-align: justify;\">SO: Der Grundeindruck der meisten Leser ist, dass Sie \u00fcberrascht sind, wie es im Iran zugeht. Sehr viele sagen, sie h\u00e4tten nicht gedacht, dass man da so reisen und solche Erlebnisse haben kann. Ich beschreibe ja viele Episoden, in denen Menschen auch irgendwie die Regeln brechen, in denen nicht religi\u00f6se Menschen vorkommen oder Menschen die sehr kritisch gegen\u00fcber dem Staat eingestellt sind. Ich glaube, der Iran ist schon noch ein Land, \u00fcber das sehr viel Unwissenheit in Deutschland und in Europa generell herrscht.<\/p>\n<p dir=\"ltr\" style=\"text-align: justify;\">\u200c\u200c<\/p>\n<p dir=\"ltr\" style=\"text-align: justify; padding-left: 60px;\">FM: Ich habe mit vielen Iranern und auch Deutschen \u00fcber Ihr Buch gesprochen. Viele kannten das \u201eCouchsurfing\u201c als Art des Reisens nicht. K\u00f6nnten Sie unseren Lesern zun\u00e4chst erkl\u00e4ren, worum es sich dabei handelt, was man dabei erleben kann und wie eine solche Reise \u00fcberhaupt vonstattengeht?<\/p>\n<p dir=\"ltr\" style=\"text-align: justify;\">SO: Also, Couchsurfing ist ein Portal im Internet. Dieses Portal gibt es jetzt seit ungef\u00e4hr 10 Jahren, auf dem Menschen auf der ganzen Welt kostenlos Unterk\u00fcnfte anbieten k\u00f6nnen. Im Iran gibt es inzwischen \u00fcber 20.000 Menschen, die da mitmachen. Das \u201eCouchsurfing\u201c ist eine ganz tolle M\u00f6glichkeit, mit normalen Menschen in Kontakt zu kommen, denn man trifft nicht nur auf Touristenf\u00fchrer oder andere Personen, die professionell mit dem Tourismus zu tun haben und damit Geld verdienen. Ich finde, es macht das Reisen immer wahnsinnig interessant, weil man so an die echten Menschen heranrankommt, welche wirklich aus reiner Herzlichkeit Lust haben, einem ihr Land zu pr\u00e4sentieren.<\/p>\n<p dir=\"ltr\" style=\"text-align: justify;\">Ich hatte vor meiner Reise sehr viele Personen angeschrieben und hatte diese \u00fcber ihre Handynummern kontaktiert. Im Land selber habe ich diese dann \u00fcber Viber oder per SMS kontaktiert. Ich hatte ca. 22 verschiedene Gastgeber in 2 Monaten. Das war nat\u00fcrlich ein Einblick, den man nicht bekommt, wenn man in einer Gruppe reist oder wenn man nur in Hotels \u00fcbernachtet. Man kommt viel n\u00e4her an die Menschen heran.<\/p>\n<p dir=\"ltr\" style=\"text-align: justify;\">\u200c<\/p>\n<p dir=\"ltr\" style=\"text-align: justify; padding-left: 60px;\">FM: Abgesehen von dem nahen Kontakt zu den Menschen, welche Besonderheiten hatte das Couchsurfing f\u00fcr Sie speziell im Iran?<\/p>\n<p dir=\"ltr\" style=\"text-align: justify;\">SO: Eines der interessantesten Dinge im Iran ist der wahnsinnige Unterschied zwischen dem \u00f6ffentlichen und dem privaten Leben. Genau das macht eine Reise dorthin so interessant. Das war auch der Fokus f\u00fcr mein Buch: zu sehen wie unterschiedlich es ist, wie die Menschen in der \u00d6ffentlichkeit eine Maske tragen und Zuhause ganz anders sind. Genau da kommt man richtig gut ran, wenn man bei den Menschen wohnt und mit ihnen viel Zeit verbringt. Es ist wirklich anders: die geheimen Regelbr\u00fcche, Zuhause wird \u00fcber die Regierung gel\u00e4stert, da trinken die Leute Alkohol und so weiter. Es ist, als w\u00fcrden wirklich zwei Parallelwelten existieren.<\/p>\n<p dir=\"ltr\" style=\"text-align: justify;\">\u200c<\/p>\n<p dir=\"ltr\" style=\"text-align: justify; padding-left: 60px;\">FM: Wussten Sie denn vorher, dass es im Iran so sein wird? Dass gerade dieser Unterschied zwischen der \u00d6ffentlichkeit und dem Privatleben im Iran herrscht, und wenn ja woher wussten Sie das?<\/p>\n<p dir=\"ltr\" style=\"text-align: justify;\">SO: Ich wusste es. Es war f\u00fcr das Buch schon meine zweite Reise in den Iran. Denn ich war schon einmal im Jahr 2013 f\u00fcr 2 Wochen dort. Dadurch wusste ich, dass es ein Thema ist, das Material f\u00fcr ein ganzes Buch bietet. Daher kannte ich auch diese Unterschiede schon ein bisschen.<\/p>\n<p dir=\"ltr\" style=\"text-align: justify;\">2014 habe ich die Idee f\u00fcr mein Buch einem Buchverlag angeboten und die fanden die Idee auch gut. Mein ganzes Wissen kam dadurch zustande, dass ich schon einmal dagewesen war. Aber nat\u00fcrlich hatte ich auch von anderen Reisenden viel \u00fcber das Land geh\u00f6rt. Jeder, der einmal im Iran war, schw\u00e4rmt von den Menschen und der Gastfreundlichkeit. Das war auch eine Motivation f\u00fcr mich, dahin zu reisen, denn das wollte ich auch selber kennenlernen.<\/p>\n<p dir=\"ltr\" style=\"text-align: justify;\">\u200c<\/p>\n<p dir=\"ltr\" style=\"text-align: justify; padding-left: 60px;\">FM: Als Sie dann selber das erste Mal pers\u00f6nlich bei Ihrer ersten Reise erfahren haben, dass es diesen Unterschied zwischen der \u00d6ffentlichkeit und dem Privaten gibt, wie war dieses Erlebnis f\u00fcr Sie als Deutscher? Denn Sie kommen ja aus einem Land, in dem die Menschen ohne Schleier so sei k\u00f6nnen, wie sie sind. Wie war das aus Ihrer Sicht?<\/p>\n<p dir=\"ltr\" style=\"text-align: justify;\">SO: Meine ersten Gastgeber auf meiner ersten Reise war eine Familie, deren Familienvater zu der Zeit gerade nicht Zuhause war. Es waren also nur die Mutter und die Tochter da. Dadurch war es auch schon irgendwie eine verbotene Situation. Doch sie sind ganz locker damit umgegangen. Sie liefen Zuhause auch im T-Shirt herum und nat\u00fcrlich auch ohne Schleier. Sie haben zudem sehr offen kritisch \u00fcber Politik geredet. Dadurch habe ich sehr schnell einen Eindruck davon bekommen, wie verschieden die Menschen im Privaten sind. Trifft man die gleichen Leute in der \u00d6ffentlichkeit, ergibt sich dagegen ein ganz anderes Bild.<\/p>\n<p dir=\"ltr\" style=\"text-align: justify;\">\u200c<\/p>\n<p dir=\"ltr\" style=\"text-align: justify; padding-left: 60px;\">FM: Ich komme zur\u00fcck auf Deutschland. Was meinen Sie, welchen Eindruck hat Ihr Buch auf die Leser hier in Deutschland gemacht. Ist der Iran nach dem Lesen Ihres Buches f\u00fcr die Leser ein interessantes Reiseziel geworden? Oder meinen Sie, dass die Leser immer noch Angst haben und denken, dass es im Iran zu abenteuerlich und gef\u00e4hrlich ist?<\/p>\n<p dir=\"ltr\" style=\"text-align: justify;\">SO: Also grunds\u00e4tzlich wird der Iran sowieso immer interessanter f\u00fcr Touristen. Seit 2 Jahren, also seit Rohani an der Macht ist, steigen die Zahlen ja ganz enorm, auch aus Deutschland. Von daher denke ich, dass das Buch nat\u00fcrlich auch viele anspricht, die sich schon vorher f\u00fcr eine Reise in den Iran interessierten und jetzt gerne noch mehr \u00fcber das Land wissen wollen, bevor sie sich tats\u00e4chlich trauen. Ich kann mir gut vorstellen, dass das Buch manche ermutigt, einfach selber hinzufahren, um einen realistischen Eindruck davon zu bekommen, wie es im Iran wirklich zugeht. Wenn man den Iran nur aus der Tagesschau kennt, bekommt man ein anderes Bild, das vielen vielleicht Angst vor einer Reise in den Iran macht. In den Nachrichten geht es immer um Atombomben, Religiosit\u00e4t und Frauenrechtsprobleme. Das sind alles sehr wichtige Themen, aber nur eine Seite dieses Landes. Als Reisender erlebt man aber oft ganz andere Eindr\u00fccke.<\/p>\n<p dir=\"ltr\" style=\"text-align: justify;\">\u200c<\/p>\n<p dir=\"ltr\" style=\"text-align: justify; padding-left: 60px;\">FM: Viele Iraner, die in Deutschland leben und der deutschen Sprache m\u00e4chtig sind, haben Ihr Buch gelesen und haben es als sehr interessant und auch sehr wahrheitsnah empfunden.<\/p>\n<p dir=\"ltr\" style=\"text-align: justify; padding-left: 60px;\">Wie Sie wissen, wurden ein paar Ausz\u00fcge Ihres Buches ins Persische \u00fcbersetzt. Allerdings haben Sie berichtet, dass Sie mit den \u00dcbersetzungen nicht ganz zufrieden bzw. nicht ganz einverstanden sind. Was wurde aus Ihrer Sicht nicht richtig ins Persische \u00fcbertragen?<\/p>\n<p dir=\"ltr\" style=\"text-align: justify;\">SO: Ich habe nur von Iranern, die auch den deutschen Text kennen, geh\u00f6rt, dass in einigen persischen Texten die im Internet im Umlauf sind, stark \u00fcbertrieben wurde, oder dass da einige Details sehr viel sch\u00e4rfer hervorgehoben wurden. Ich kann es nat\u00fcrlich nicht selber \u00fcberpr\u00fcfen, weil ich nicht auf Persisch lesen kann. Aber das habe ich jetzt schon von mehreren geh\u00f6rt, dass es einfach Fehl\u00fcbersetzungen von Ausz\u00fcgen aus dem Buch gibt, die das ganze extremer klingen lassen, als es vielleicht ist. Vielleicht haben Sie es auch gelesen?<\/p>\n<p dir=\"ltr\" style=\"text-align: justify;\">\u200c<\/p>\n<p dir=\"ltr\" style=\"text-align: justify; padding-left: 60px;\">FM: Ja, ich habe auch ein paar Kommentare von Berichterstattern oder Kritikern gelesen. Diese haben den Schwerpunkt auf den Tabubruch im Iran gelegt. Der Fokus dieser Berichte lag auf Szenen aus Ihrem Buch, wie z.B. die Bikiniparty, das Thema mit dem Haschisch rauchen oder dem Alkohol trinken. Diese Szenen findet man ja auch in Ihrem Buch.<\/p>\n<p dir=\"ltr\" style=\"text-align: justify;\">SO: Das ist schade. Denn dies macht vielleicht 10 Prozent der Handlung aus, oder sogar weniger als 10 Prozent. Nat\u00fcrlich sind das die Aspekte, die besonders viel diskutiert werden. Das ist auch verst\u00e4ndlich. Aber es entsteht leicht ein etwas falscher Eindruck, wenn man so stark den Fokus darauf legt. Nat\u00fcrlich kommen sehr viele Gesetzesbr\u00fcche vor. Aber oft sind es dann eher die allt\u00e4glichen Dinge, wie z.B. Facebook benutzen, also vielleicht nicht die ganz extremen Dinge. Ich glaube, dass man nur ein richtiges Bild von der ganzen Geschichte bekommt, wenn man das Buch komplett liest und nicht nur die Extremmomente kennt.<\/p>\n<p dir=\"ltr\" style=\"text-align: justify;\">\u200c<a href=\"https:\/\/bonyadhomayoun.com\/?attachment_id=14185\" rel=\"attachment wp-att-14185\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-14185\" alt=\"SO - FM 21\" src=\"https:\/\/bonyadhomayoun.com\/wp-content\/uploads\/2015\/06\/SO-FM-21.jpg\" width=\"540\" height=\"323\" srcset=\"https:\/\/bonyadhomayoun.com\/wp-content\/uploads\/2015\/06\/SO-FM-21.jpg 540w, https:\/\/bonyadhomayoun.com\/wp-content\/uploads\/2015\/06\/SO-FM-21-300x179.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 540px) 100vw, 540px\" \/><\/a><\/p>\n<p dir=\"ltr\" style=\"text-align: justify; padding-left: 60px;\">\u200c<\/p>\n<p dir=\"ltr\" style=\"text-align: justify; padding-left: 60px;\">FM: Ich m\u00f6chte eine Frage zitieren, die auf eine Ihrer Buchlesungen gestellt wurde: \u201eHaben Sie durch die Ver\u00f6ffentlichung Ihres Buches Ihre Gastgeber im Iran in Gefahr gebracht?\u201c<\/p>\n<p dir=\"ltr\" style=\"text-align: justify;\">SO: Dieses Thema hat mich die ganze Zeit sehr besch\u00e4ftigt. Denn bei einem solchen Projekt ist das Wichtigste, dass den Menschen, \u00fcber die ich schreibe, nichts passiert. Ich selber bin raus aus dem Land, mir kann hier nicht so viel passieren. Aber die Menschen, um die es geht, k\u00f6nnten \u00c4rger kriegen. Deswegen habe ich nat\u00fcrlich Namen und ein paar Details ge\u00e4ndert, um diese zu sch\u00fctzen. Was ich allerdings interessant fand war, dass mich sehr viele Iraner extrem ermutigt haben, einfach alles so zu erz\u00e4hlen, wie es in Ihrem Land tats\u00e4chlich passiert; die meinten: \u201eBitte sage der Welt, wie wir wirklich sind.\u201c<\/p>\n<p dir=\"ltr\" style=\"text-align: justify;\">Viele waren selber viel sorgloser als ich, wenn es um ihre richtigen Namen oder um Fotos ging. Das hat mich \u00fcberrascht.<\/p>\n<p dir=\"ltr\" style=\"text-align: justify;\">\u200c<\/p>\n<p dir=\"ltr\" style=\"text-align: justify; padding-left: 60px;\">FM: Also ist den Couchsurfern diese Gefahr im Iran bewusst und die Frage, ob Sie Ihre Gastgeber durch die Ver\u00f6ffentlichung in Gefahr bringen, stellt sich nicht mehr?<\/p>\n<p dir=\"ltr\" style=\"text-align: justify;\">SO: Ja genau, ich habe allen Gastgebern gesagt, dass ich an einem Buch arbeite. Das wussten sie und sie wussten auch, dass sie darin vorkommen. Ich habe mit offenen Karten gespielt.<\/p>\n<p dir=\"ltr\" style=\"text-align: justify;\">\u200c<\/p>\n<p dir=\"ltr\" style=\"text-align: justify; padding-left: 60px;\">FM: Was meinen Sie, warum so viele junge Iraner an solchen Kontakten und Verbindungen interessiert sind?<\/p>\n<p dir=\"ltr\" style=\"text-align: justify;\">SO: Ich glaube, dass es eine gro\u00dfe Isolation gibt, gerade unter jungen Menschen, so dass es tats\u00e4chlich noch etwas Besonderes ist, jemand im gleichen Alter aus einem westlichen Land zu treffen. In Isfahan oder Teheran ist es vielleicht nicht ganz so extrem. Die meisten Touristen sind ja eher \u00e4ltere Kulturreisende. Gerade deswegen sticht man in manchen Regionen schon heraus, wenn man eher um die Drei\u00dfig ist. Da hat man den Eindruck, dass sie den Kontakt noch einmal besonders interessant finden. Was mir auffiel, ist wie extrem interessiert die Iraner an Europa und an meiner Meinung zur Politik waren. Es kamen oft sehr intelligente Fragen und es gab wenig kurzen Small Talk. Ich wurde gefragt, \u201eWie ist Merkel?\u201c, \u201eWie ist Putin?\u201c, \u201eWie ist das Verh\u00e4ltnis zwischen Frankreich und Deutschland?\u201c. Dann musste ich auf einmal Stellung beziehen zu solch gro\u00dfen politischen Themen. Das fand ich sehr interessant. Dies ist auch ein Unterschied zu anderen Reisel\u00e4ndern, in denen ich war. Auch dass sie teilweise die deutsche Kultur kennen oder dass dann einer Goethe zitiert, auf Deutsch. Da ist man immer wieder \u00fcberrascht, welche Art von Konversationen man dort hat und wie gro\u00df das Interesse dort ist. In Europa wissen wir weniger \u00fcber den Iran, als die Iraner \u00fcber Europa. Das ist ein Ungleichgewicht.<\/p>\n<p dir=\"ltr\" style=\"text-align: justify;\">\u200c<\/p>\n<p dir=\"ltr\" style=\"text-align: justify; padding-left: 60px;\">FM: Ja, aber die Iraner brauchen dieses Wissen.<\/p>\n<p dir=\"ltr\" style=\"text-align: justify;\">SO: Ja nat\u00fcrlich, sie gucken Hollywood-Filme und sie konsumieren heimlich ganz viele westliche Medien, h\u00f6ren die Musik aus Amerika oder aus Europa und nat\u00fcrlich wollen sie dann mehr und mehr wissen \u00fcber diese L\u00e4nder.<\/p>\n<p dir=\"ltr\" style=\"text-align: justify;\">\u200c<\/p>\n<p dir=\"ltr\" style=\"text-align: justify; padding-left: 60px;\">FM: Sie haben in Ihrem Buch geschrieben und auch auf Ihrer Buchlesung betont, dass der Iran Sie einerseits sehr fasziniert, andererseits aber auch sehr w\u00fctend macht. Woher kommen diese widerspr\u00fcchlichen Gef\u00fchle?<\/p>\n<p dir=\"ltr\" style=\"text-align: justify;\">SO: Es fasziniert mich weil es einfach so viel zu bieten hat: die Freundlichkeit der Menschen, die Herzlichkeit, die Gastfreundschaft, die Sehensw\u00fcrdigkeiten. Es gibt die tollste Architektur, W\u00fcstenlandschaften und Berge. Dieses Land hat einfach alles, was man braucht, um sehr viele Touristen anzulocken. Gleichzeitig gibt es aber eine Regierung, die das Volk unterdr\u00fcckt und ihm wenige Freiheiten l\u00e4sst. Eine Regierung, die solch ein Potential verschenkt. Ich hatte ja haupts\u00e4chlich mit jungen Leuten zu tun. Viele davon waren hoch gebildet, bekommen aber keinen, ihren Qualifikationen angemessenen, Job. Sie k\u00f6nnen sich nicht entfalten, vermissen Freiheiten und w\u00fcrden gern woanders leben. Das ist ein wahnsinnig verschenktes Kapital und man bekommt es t\u00e4glich mit, wie diese Menschen ihre Talente einfach nicht aussch\u00f6pfen k\u00f6nnen. Ich hatte das Gef\u00fchl, dass dieses Land mit seiner jahrtausendealten Hochkultur unter einer liberaleren Regierung noch eine viel bedeutsamere Rolle im Nahen Osten spielen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p dir=\"ltr\" style=\"text-align: justify;\">\u200c<\/p>\n<p dir=\"ltr\" style=\"text-align: justify; padding-left: 60px;\">FM: Welchen Hauptunterschied sehen Sie zwischen den Menschen Ihrer Generation im Iran und in Europa bzw. in Deutschland.<\/p>\n<p dir=\"ltr\" style=\"text-align: justify;\">SO: Also, f\u00fcr mich war es zun\u00e4chst sehr auff\u00e4llig, dass wir uns viel \u00e4hnlicher sind, als wir denken, gerade im Hinblick auf die Gespr\u00e4che, die ich hatte. Auf Reisen nach Asien oder S\u00fcdamerika hatte ich teilweise das Gef\u00fchl, dass der Unterschied der Kulturen gr\u00f6\u00dfer ist als zum Iran. Das ist auch eine Erfahrung, die man als Reisender im Iran sehr schnell macht. Interessant ist auch ein Vergleich zu Saudi-Arabien: Der Westen betreibt dort sehr viel Handel, investiert wahnsinnig viel Geld und pflegt ein gutes Verh\u00e4ltnis. Aber trotzdem glaube ich, dass es von der Breite der Bev\u00f6lkerung und kulturell viel weiter weg von West-Europa ist als der Iran. Die Parallelen in der Kultur zwischen dem Iran und Westeuropa sind viel gr\u00f6\u00dfer. Es ist halt nur unter der jetzigen Regierung bislang nicht m\u00f6glich, einen engeren Kontakt zu haben.<\/p>\n<p dir=\"ltr\" style=\"text-align: justify;\">Aber noch einmal zu den Unterschieden: was nat\u00fcrlich auff\u00e4llt, ist eine Frustration die ich, aufgrund der fehlenden Freiheiten, sah oder auch der Wunsch, das Land zu verlassen oder nach einem freien Leben, also manchmal so ganz einfache W\u00fcnsche. Einer hat mir fast unter Tr\u00e4nen erz\u00e4hlt, dass er einfach mal nur in eine Bar gehen und seiner Freundin einen Cocktail ausgeben will. Er fragte noch, ob diese kleinen W\u00fcnsche denn zu viel verlangt seien? Dass man dort so sehr unter den fehlenden Freiheiten leidet, ist definitiv ein gro\u00dfer Unterschied. Ansonsten habe ich mich oft gefragt, ob die Menschen hier oder dort fr\u00f6hlicher sind. In Deutschland, einem ges\u00e4ttigtem Land, wo es allen gut geht, gibt es andere Probleme. Man hat alle M\u00f6glichkeiten, trotzdem bekommen manche Depressionen, weil sie trotzdem nicht so richtig wissen, was sie mit ihrem Leben anfangen sollen. Teilweise hatte ich in manchen L\u00e4ndern das Gef\u00fchl, dass die Menschen positiver eingestellt sind als in Deutschland, wo man immer sehr kritisch ist und Kleinigkeiten kritisiert. Dabei hat man bei uns wenige richtig existenzielle Probleme.<\/p>\n<p dir=\"ltr\" style=\"text-align: justify;\">\u200c<\/p>\n<p dir=\"ltr\" style=\"text-align: justify; padding-left: 60px;\">FM: Wie sind Sie \u00fcberhaupt auf den Iran als Reiseziel gekommen?<\/p>\n<p dir=\"ltr\" style=\"text-align: justify;\">\u00a0SO: Ich rede ganz viel mit anderen Leuten, die viel reisen. Jedes Mal, wenn ich jemand getroffen habe, der im Iran war, hat derjenige mir davon in den h\u00f6chsten T\u00f6nen vorgeschw\u00e4rmt. Man trifft niemanden, der da war und den das kalt l\u00e4sst; der nicht von diesen Menschen und von dieser Gastfreundschaft schw\u00e4rmt. Ich habe eine lange Liste von L\u00e4ndern, in die ich reisen will. Der Iran ist durch diese Erz\u00e4hlungen immer weiter nach oben gerutscht.<\/p>\n<p dir=\"ltr\" style=\"text-align: justify;\">\u200c<\/p>\n<p dir=\"ltr\" style=\"text-align: justify; padding-left: 60px;\">FM: Wie war denn das Echo beim Spiegel? Wenn ich das hinzuf\u00fcgen darf, der Spiegel geh\u00f6rt ja auch zu diesen \u201eTagesthemenmedien\u201c. Denn wenn man im Spiegel \u00fcber den Iran liest, ist das doch schon recht \u201eeinseitig\u201c.<\/p>\n<p dir=\"ltr\" style=\"text-align: justify;\">SO: Ich finde, das kann man nicht so pauschal sagen. Letztens war von Erich Follath ein sehr differenzierter Artikel zu lesen. Zumindest hat er sehr gut abgebildet, wie es da jetzt aussieht.<\/p>\n<p dir=\"ltr\" style=\"text-align: justify;\">\u200c<\/p>\n<p dir=\"ltr\" style=\"text-align: justify; padding-left: 60px;\">FM: Das ist dann aber neu? Denn zumindest berichtet der Politikteil \u00fcber den Iran doch eher so, wie Sie die Nachrichten \u00fcber den Iran generell beschrieben haben.<\/p>\n<p dir=\"ltr\" style=\"text-align: justify;\">SO: Genau, es liegt aber auch an dem Fokus \u201eWas ist eine Nachricht und was nicht\u201c. So funktioniert ja der gesamte Journalismus. Wenn man schreibt \u201eEs gibt sehr gastfreundschaftliche Menschen in Isfahan\u201c, dann ist das keine Nachricht. Aber wenn man schreiben kann, \u201edie bauen dort an der Atombombe irgendwo n\u00f6rdlich von Teheran in einem unterirdischen Versteck\u201c, dann ist das eine Nachricht. Ich glaube, das gilt gar nicht nur f\u00fcr den Iran, dass man \u00f6fter nur die Katastrophen oder die negativen Dinge mitbekommt. Afrika ist auch ein gutes Beispiel. Wer nur oberfl\u00e4chlich die Nachrichten wahrnimmt, k\u00f6nnte den Eindruck erhalten, es gibt dort nur Hungersn\u00f6te und Leid. Wenn man hinf\u00e4hrt, zeigt sich auch ein ganz anderes Bild.<\/p>\n<p dir=\"ltr\" style=\"text-align: justify;\">\u200c<a href=\"https:\/\/bonyadhomayoun.com\/?attachment_id=14186\" rel=\"attachment wp-att-14186\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-14186\" alt=\"SO - FM 31\" src=\"https:\/\/bonyadhomayoun.com\/wp-content\/uploads\/2015\/06\/SO-FM-31.jpg\" width=\"540\" height=\"413\" srcset=\"https:\/\/bonyadhomayoun.com\/wp-content\/uploads\/2015\/06\/SO-FM-31.jpg 540w, https:\/\/bonyadhomayoun.com\/wp-content\/uploads\/2015\/06\/SO-FM-31-300x229.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 540px) 100vw, 540px\" \/><\/a><\/p>\n<p dir=\"ltr\" style=\"text-align: justify; padding-left: 60px;\">\u200c<\/p>\n<p dir=\"ltr\" style=\"text-align: justify; padding-left: 60px;\">FM: Ich bin selbst erst durch den von Ihnen erw\u00e4hnten Artikel von Herrn Follath auf Ihr Buch gekommen, da er in seinem Artikel auf Ihr Buch Bezug nimmt. Er hat auch versucht, diese Parallelgesellschaft, in der die jungen Menschen leben, darzustellen. Er hat die Iraner bzw. das iranische Volk als \u201eEine Nation zwischen Stolz und Minderwertigkeitskomplex\u201c beschrieben. Ich habe diese Beschreibung nicht recht verstanden. Sind Sie mit dieser Beschreibung einverstanden? Sie waren den Menschen sehr nah. Teilen Sie dieses Gef\u00fchl des Minderwertigkeitskomplexes bei den Iranern?<\/p>\n<p dir=\"ltr\" style=\"text-align: justify;\">SO: Vielleicht ist das Wort Minderwertigkeitskomplex ein bisschen stark, weil es negativ belastet ist. Aber ich habe auf jeden Fall gesehen, dass die Leute im Iran wissen, dass ihr Land einen schlechten Ruf in der Welt hat. Das bekommen sie nat\u00fcrlich mit. Gleichzeitig wissen sie alle, dass ihr Land viel mehr zu bieten hat als das, wor\u00fcber immer berichtet wird. Und sie sind unglaublich Stolz auf diese 3000 Jahre lange Geschichte und auf die glorreiche Vergangenheit. Es ist schlie\u00dflich die erste Gro\u00dfmacht der Welt. Die Iraner, die ich getroffen habe, waren stets sehr interessiert daran, was ich von Ihrem Land halte. Ich musste auf diese Fragen nicht l\u00fcgen und konnte immer problemlos sagen, dass es einer meiner tollsten Reisen \u00fcberhaupt ist und ich die Iraner sehr sch\u00e4tze.<\/p>\n<p dir=\"ltr\" style=\"text-align: justify;\">Wie gesagt, ich glaube dass dieser Ausdruck \u201eMinderwertigkeitskomplex\u201c ein bisschen zu stark ist. Dennoch gibt es schon das Bewusstsein und den Willen, der Welt zu zeigen, dass das Land anders ist, als es sich die meisten Menschen vorstellen. Ich habe das auch daran gemerkt, dass mich viele best\u00e4rkt haben, dieses Buch zu schreiben. Viele meinten, \u201eBitte erz\u00e4hl dem Leser im Westen, wie der Alltag hier wirklich ist!\u201c<\/p>\n<p dir=\"ltr\" style=\"text-align: justify;\">\u200c<\/p>\n<p dir=\"ltr\" style=\"text-align: justify; padding-left: 60px;\">FM: Herr Orth, kommen wir wieder zur\u00fcck auf Ihre Gastgeber. Sie hatten einen Gastgeber im Iran, Reza, der sehr viel mit dem Thema Couchsurfing besch\u00e4ftigt war. Ihren Beschreibungen zufolge ist Reza ein Mensch, der sich sehr f\u00fcr die Geschichte und die Dichter und Denker des Iran interessiert. Er hat es sich zur Aufgabe gemacht, seinen G\u00e4sten auch diese Aspekte des Irans zu vermitteln. In meinen Augen hat er sein eigenes Leben f\u00fcr diese Sache geopfert, er hat kein anderes Leben. \u201eSamstags Hafiz-Abend, Sonntags Firdausi-Treffen, Montags Saadi-Gedichte\u201c und Khayam Poesie vergisst er auch nicht. Ab und zu kocht er auch f\u00fcr seine G\u00e4ste, gibt kostenlosen Englischunterricht, bringt seine ausl\u00e4ndischen G\u00e4ste zu der Schule, an der afghanische Fl\u00fcchtlingskinder unterrichtet werden. Er zeigt ein sehr gro\u00dfes Engagement.<\/p>\n<p dir=\"ltr\" style=\"text-align: justify; padding-left: 60px;\">Wie fanden Sie seine Antwort auf Ihre Frage, \u201eob er Probleme mit dem Gesetz hatte wegen der vielen Treffen und G\u00e4ste\u201c. Denn er hatte schon oft Kontakt mit der Polizei. Er antwortete, dass Mitarbeiter vom Tourismusministerium eigentlich nicht gegen das Couchsurfing seien. Vielmehr suchten sie mit ihm eine L\u00f6sung, wie man diese Art von Tourismus f\u00fcr die Polizei akzeptabel machen k\u00f6nnte. Wie finden Sie diese Antwort?<\/p>\n<p dir=\"ltr\" style=\"text-align: justify;\">SO: Reza hat mir erz\u00e4hlt, dass er schon mehrfach mit der Polizei zu tun hatte. Er f\u00fchrte regelm\u00e4\u00dfig Diskussionen mit dem Tourismusministerium dar\u00fcber, wie man das Couchsurfing so gestalten k\u00f6nnte, dass es nicht gegen die Regeln verst\u00f6\u00dft. Er setzte sich sehr f\u00fcr diese Idee ein. Denn zurzeit halten sich viele nicht an das Gesetz, sich innerhalb von 24 Stunden bei der Polizei zu melden, wenn sie privat unterkommen. Reza hatte dem Ministerium vorgeschlagen, dass die ausl\u00e4ndischen G\u00e4ste so registriert werden, wie man es aus den Hotels kennt, wo man seinen Pass auch zur Registrierung vorzeigen muss. Zum Beispiel k\u00f6nnten die Couchsurfer auch \u00fcber ihre P\u00e4ssen online registriert werden, damit sie f\u00fcr die Beh\u00f6rden auffindbar sind. Das w\u00fcrde ihnen eine gewisse Beruhigung verschaffen.<\/p>\n<p dir=\"ltr\" style=\"text-align: justify;\">\u200c<\/p>\n<p dir=\"ltr\" style=\"text-align: justify; padding-left: 60px;\">FM: Ich habe neulich eine Dokumentation gesehen, welche im Zusammenhang zu Rezas Erlebnissen mit dem Ministerium steht. In dieser Dokumentation wurde \u00fcber eine junge Musikerin berichtet, die mit Hilfe einiger iranischen K\u00fcnstler und von K\u00fcnstlern aus Frankreich versuchte, ein Konzert zu veranstalten. Auf diesem Konzert sollten nur Frauen singen. Sie wissen ja, dass dies im Iran normalerweise verboten ist. Jedenfalls stand diese junge Frau deswegen \u00fcber mehrere Monate mit verschiedenen Ministerien und Beh\u00f6rden im Kontakt. Zu Beginn stellten sich die Beh\u00f6rden noch quer und bereiteten der Musikerin immer neue Hindernisse, auch noch dann, als ihre franz\u00f6sischen Kollegen bereits im Iran waren. Doch zum Schluss konnte sie sich durchsetzen und dieses Konzert fand tats\u00e4chlich statt. Dieser Film ist wirklich interessant. \u00c4hnliche Legalisierungsbem\u00fchungen nimmt auch Reza im Hinblick auf das Couchsurfing vor.<\/p>\n<p dir=\"ltr\" style=\"text-align: justify; padding-left: 60px;\">Diese Zusammenh\u00e4nge zeigen, dass die jungen Menschen im Iran bereit sind, gro\u00dfe Anstrengungen auf sich nehmen, um ihr Land friedlich zu \u00e4ndern, so m\u00fchsam es auch sein mag. Meinen Sie, dass die jungen Iraner es auf diesem Wege schaffen werden, die iranische Regierung zu einem Umdenken zu bewegen und den Iran zu ver\u00e4ndern?<\/p>\n<p dir=\"ltr\" style=\"text-align: justify;\">SO: Ich habe auf jeden Fall viel Hoffnung. Allein schon wegen der gro\u00dfen Zahl junger Menschen. Denn ungef\u00e4hr zwei Drittel sind unter 30. Ich hatte den Eindruck, dass viele von ihnen etwas ver\u00e4ndern wollen. Ich glaube nicht, dass es ein Staat auf Dauer schaffen kann, eine so gro\u00dfe Zahl von Menschen so stark zu unterdr\u00fccken. Also irgendwelche Zugest\u00e4ndnisse m\u00fcssen dann irgendwann gemacht werden.<\/p>\n<p dir=\"ltr\" style=\"text-align: justify;\">Was man jetzt schon sieht, ist dass die Leute ihre Freiheiten im Digitalen ausleben: Sie flirten per SMS, sie posten bei Facebook Dinge und Fotos, die sie sich sonst vielleicht nicht trauen w\u00fcrden, zu ver\u00f6ffentlichen. Da gibt es schon so einen gewissen Spielraum, wo man mehr darf als im richtigen Leben auf der Stra\u00dfe. Da sehe ich schon eine Entwicklung, die zu einer Ver\u00e4nderung f\u00fchren kann. Ich glaube, dass sie ihre Freiheiten irgendwann noch viel st\u00e4rker einfordern werden, auch im richtigen Leben sozusagen.<\/p>\n<p dir=\"ltr\" style=\"text-align: justify;\">\u200c<\/p>\n<p dir=\"ltr\" style=\"text-align: justify; padding-left: 60px;\">FM: Man kann schon sagen, dass sie von dem Iran, den Menschen und der Gastfreundschaft in den h\u00f6chsten T\u00f6nen sprechen. Gibt es etwas, was Sie von dieser Reise f\u00fcr sich mitgenommen haben oder als so positive Eigenschaft f\u00fcr sich pers\u00f6nlich sehen, dass Sie diese selber angenommen haben?<\/p>\n<p dir=\"ltr\" style=\"text-align: justify;\">SO: Ich glaube, ein guter Gastgeber zu sein, ist schon eine Qualit\u00e4t, die man sich am besten von Leuten abgucken kann, die darin von Natur aus und vielleicht auch von der Erziehung her absolute Profis sind. Ich hoffe sehr, dass ich das selber so hinbekomme, wenn ich Couchsurfing-G\u00e4ste zu Besuch habe.<\/p>\n<p dir=\"ltr\" style=\"text-align: justify;\">Eine andere Sache, die ich noch mitgenommen habe, ist, dass ich die Freiheiten, die wir hier haben, noch viel mehr sch\u00e4tze. Man kann hier einfach sagen, was man denkt und muss keine Angst haben, dass die Polizei einem Probleme macht, ohne dass man sich etwas vorzuwerfen hat. Das ist ein wahnsinniger Luxus.<\/p>\n<p dir=\"ltr\" style=\"text-align: justify;\">Im Iran gehen die Leute nach einem Autounfall oft nicht zur Polizei, weil sie dadurch noch mehr \u00c4rger bef\u00fcrchten. Sie kl\u00e4ren das lieber untereinander. Hier kann man im Grunde erstmal darauf vertrauen: wenn ich nichts Schlimmes mache, dann droht mir vom Gesetz auch kein \u00c4rger. Das ist f\u00fcr uns hier so allt\u00e4glich und das lernt man dann erstmal zu sch\u00e4tzen, wenn man es auch anders erlebt hat.<\/p>\n<p dir=\"ltr\" style=\"text-align: justify;\">\u200c<\/p>\n<p dir=\"ltr\" style=\"text-align: justify; padding-left: 60px;\">FM: Herr Orth, kommen wir zur letzten Frage.<\/p>\n<p dir=\"ltr\" style=\"text-align: justify; padding-left: 60px;\">\u00dcber ihr Buch wurden einige scharfe Artikel auf den Homepages von Anh\u00e4ngern des iranischen Regimes ver\u00f6ffentlicht. Einige religi\u00f6se Kr\u00e4fte im Iran waren besonders w\u00fctend auf Ihre Berichte und \u00fcber das Verhalten und den Lebensstil der iranischen Jugend. Meinen Sie, dass Sie wieder so einfach in den Iran reisen k\u00f6nnen?<\/p>\n<p dir=\"ltr\" style=\"text-align: justify;\">SO: Nein, ich werde leider erstmal nicht wieder hinfahren k\u00f6nnen.<\/p>\n<p dir=\"ltr\" style=\"text-align: justify;\">\u200c<\/p>\n<p dir=\"ltr\" style=\"text-align: justify; padding-left: 60px;\">FM: Herr Orth, ich bedanke mich sehr f\u00fcr das Interview.<\/p>\n<p dir=\"ltr\" style=\"text-align: justify; padding-left: 60px;\">\u200c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u200c\u200c<\/p><p><a class=\"more-link btn\" href=\"https:\/\/bonyadhomayoun.com\/?p=14221\">\u0627\u062f\u0627\u0645\u0647\u200c\u06cc \u0645\u0637\u0644\u0628<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":14182,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[66],"tags":[],"class_list":["post-14221","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-mosahebeha","nodate","item-wrap"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/bonyadhomayoun.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/14221","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/bonyadhomayoun.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/bonyadhomayoun.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/bonyadhomayoun.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/bonyadhomayoun.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=14221"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/bonyadhomayoun.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/14221\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":14223,"href":"https:\/\/bonyadhomayoun.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/14221\/revisions\/14223"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/bonyadhomayoun.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/14182"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/bonyadhomayoun.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=14221"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/bonyadhomayoun.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=14221"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/bonyadhomayoun.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=14221"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}